Es ist kurz vor Weihnachten. Zwei Freundinnen und ich sind auf Geschenke-Shoppingtour in der Stuttgarter Innenstadt. Alles blinkt, alles glitzert. Alles riecht nach Glühwein und gebrannten Mandeln. Eigentlich mochte ich Weihnachten nie, doch nach 3 Jahren Winter im Süden verbringen, erschrecke ich mich fast, als ich realisiere wie sehr ich es mal wieder geniesse, diesen Zauber der Lichter und Düfte in Wintermänteln und Handschuhen.

Wir laufen die Königstrasse hoch, Stuttgarts Haupteinkaufsstrasse, und sind mittendrin im Rausch der Menschenmasse. Plötzlich entdecken wir einen ganz hübschen hippen Geschenke-Laden auf der rechten Seite und werden mitgerissen, wir stürmen hinein. Der Eingang ist übersät mit Taschen im Penis und Brüste Motiv. Das macht uns ein wenig neugierig, sieht man doch nicht so oft in den Stuttgarter Schaufenstern und wir laufen noch weiter nach hinten durch. Beim Vorbeigehen sehe ich im Augenwinkel ein Ausmalbuch für Kinder mit dem Titel „So bunt ist Deutschland“. Daneben liegen Buntstifte in allen Hautfarben dieser Welt. Ich stoppe. Meine Augen starren und mein Kopf sagt mir: „WOW! Was für eine tolle Idee, was für ein tolles Projekt! Dieses Buch hätte ich auch gerne illustriert und gestaltet!“ Ich blättere es weiter durch. Und meine Gedanken rasen immer noch und fragen sich: „Was kann ich tun um solche wertvollen, sinnvollen Jobs zu bekommen?“ Ich suche im Impressum nach Herausgeber und Gestalter, bis ich irgendwann auf der Rückseite ein Logo erspähe: „Go Volunteer“!

Und irgendwie war das wie ein magischer Moment für mich, in diesem Laden, in dieser Weihnachtszeit, in der man sowieso alles zu Hinterfragen beginnt. Das neue Jahr steht an. Die Reflektion über das eigene Sein und Handeln steht im Raum, das Wünschen und Hoffen und auch die Frage nach dem „Will ich so weitermachen oder will ich eigentlich ganz anders leben? Für was lebe ich? Wie lebe ich? All das schwirrte in meinem Kopf herum. Vor allem auch die Frage nach der beruflichen Zukunft. Und die Frage nach: Freiheit oder Sicherheit? In den letzten Jahren hatte die Freiheit mit wenig Geld immer lauter geschrien und ich bin frei allen Träumen gefolgt, habe alles verwirklicht, was mir eben grade so in den Sinn kam, habe mich als freiberufliche Grafikdesignerin und Illustratorin irgendwie über Wasser gehalten, nur plötzlich beginnt die Sicherheit mit viel Geld sich zu beschweren und fängt an lauter und immer lauter zu schreien. So sehr, dass ich mich bereits in den letzten Monaten bei unzähligen interessanten, festen Grafik-Jobs mit sicherem Gehalt beworben hatte, obwohl ich eigentlich wusste, dass starre Strukturen nicht mein Ding sind. Leider kamen auch nie positive Rückmeldungen zurück. Doch die Angst vor zu wenig Geld im nächsten Jahr, vor zu viel Freiheit und zu wenig Sicherheit wurde immer größer und größer, reichte sogar schon so weit, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, mich auch für Jobs zu bewerben, die mich gar nicht wirklich begeistern, einfach nur um irgendeinen Job mit monatlichem Einkommen zu haben. Noch nie war ich an einem Punkt wie diesem in meinem Leben gewesen. Bisher fühlte sich mein Leben und auch die Selbstständigkeit diesbezüglich spielerisch leicht an. Nie hatte ich diese Ängste in mir zu wenig Geld zu haben. Nie war da dieses Gefühl der Hilflosigkeit und die Überlegung einfach Jobs zu machen, die sich zwar sinnlos anfühlen aber wenigstens Geld bringen. Und irgendwie fühlte ich mich zu dieser Zeit wie Super Mario im Jump and Run Spiel, der rennt und rennt, aber an einer Stelle einfach nicht mehr weiterkommt, weil er immer gegen den selben Gegenstand rennt. Wie festgesteckt. Irgendwie festgefahren. Sackgasse.

Und da war es wieder vor mir: Dieses Go Volunteer Logo und strahlte mich verschmitzt an.

Was hatte dies zu bedeuten? Ich hielt dieses Ausmalbuch immer noch in den Händen, in diesem Geschenke-Laden auf der Königstrasse. Wollte es irgendwie nicht mehr so recht loslassen, mich daran festhalten.

Sollte man nicht, wenn man das Gefühl hat festgefahren zu sein, genau das Gegenteil von all dem tun, wovon man dachte, es sei vernünftig? Sollte man nicht gerade in solchen Situationen über den Tellerrand blicken, alles aus der Vogelperspektive betrachten, radikal sein und alle „fünf gerade sein lassen“? Und auf die Vernunft scheißen?

Will ich denn immer nur für Geld arbeiten und illustrieren? Sind das meine Werte und Ideale? Will ich mein Leben mit sinnlosen Projekten verbringen nur um Geld zu haben, aber die ganze Zeit das Gefühl haben, dass meine Kreativität, mein Talent und meine kostbare Lebenszeit, in der ich so viel bewirken könnte, verschwendet ist?

Seit langem verspürte ich dank dieses kleinen Logos wieder meine alte Euphorie, meinen sturen Idealismus, der mich täglich so stolz auf mich sein lässt. Irgendwie liess mich „Go Volunteer“ in diesem Moment wieder Freiheit spüren und fühlte sich so sehr nach dem richtigen Weg an, nach dem richtigen Wegweiser. Angstfrei und Hoffnungsvoll. Arbeiten ohne Geld, aber für Projekte die Menschen glücklich machen und auch mich selbst erfüllen, damit sich weiterhin meine Lebenszeit als wunderschön und nicht verschwendet anfühlt.

Als ich in dieser Nacht nach Hause kam, öffnete ich meinen Laptop und das erste was ich tat, war die Webseite von Go Volunteer govolunteer.com zu googeln. Ich suchte nach Grafikjobs. Und siehe da: Meine Suche war erfolgreich. Einige richtig tolle Projekte erschienen und ich war plötzlich Feuer und Flamme, voller Adrenalin und schaute mir sofort alle an. Ich dachte nur: EEENNNNDLICH!! Sinnvolle Projekte, die mich auch noch als Grafikerin und Illustratorin brauchen und Lust auf mich haben. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Und spürte wieder so tief in mir die Gewissheit, dass Geld nicht alles ist und es nicht mein Ding ist, mein Leben danach zu richten. Mein Leben und Tun zeichnet sich durch andere Dinge aus, als die Zahl auf dem Konto. Ich bin der glücklichste Mensch, solange ich durch Kunst positiv verändere und die Welt zusammenführe, die Welt zu einer und zu einer besseren machen kann. Das ist mein Sinn. Und die Jobs kommen, sowieso, und das Geld dann irgendwie auch, wenn man darauf vertraut und hart arbeitet und immer dem Weg der Faszination und der Begeisterung folgt.

Und nachdem ich mir alle Projekte auf der Webseite genau anschaute, entschied ich mich schlussendlich für KEBAP e.V. Das Projekt welches mich am meisten faszinierte und am besten zu mir passte. Und ich bin enorm dankbar für diesen Abend auf der Königstrasse, für dieses Augen öffnen, für diese Fügung und die Erkenntnis in diesem kleinen Laden mit diesem Hautfarben Buch von „Go Volunteer“.

Herzlich
Eure Pia

Mehr Infos über mich:
Pia Wieland
Illustration & Grafik
Website: https://salon.io/piwihowland
Showreel
instagram: piwi_howland

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