Im Rahmen unseres Programms „Eine Klimaküche für Altona“ haben wir  für euch Geschichten aus dem Garten, saisonale Rezepte, Bauanleitungen und Wissenswertes rund um Stadtnatur und ein nachhaltiges, solidarisches Leben zusammengestellt.

Diesmal: Der Garten im April – Zum Nachdenken: Insektenschutz – Zum Beobachten: Wildbienen und Wildblumen – Zum Nachbauen: Insektennistplätze – Zum Nachkochen: Rhabarberkuchen, Spanakoriso, Spinat

Der Garten im April

Nach dem Anzuchttag startet dann auch die Arbeit vor Ort im Garten richtig. Gründüngungen und Vorsaaten werden ausgesät sowie erste Setzlinge aus dem Frühbeet gepflanzt. Der April ist in den letzten Jahren eigentlich immer zu trocken gewesen. Daher beginnt mit den ersten Saaten eine umfassende Gießarbeit. Die Hochbeete haben den Nachteil, dass sie sehr schnell austrocknen. Außerdem muss die neue Saat konsequent gegossen werden, da die Samen sonst nicht quellen können. Der trockene April wirkt sich auch dezimierend auf die Schneckenpopulation aus – wenn man zur richtigen Zeit gießt. In diesem Monat sollte man spätestens beginnen, die Schnecken schon im Voraus einzudämmen. Dies tun wir, indem wir statt abends am Morgen gießen. Denn die Schnecken kommen dann, wenn die Erde abends feucht ist. Wir sind tatsächlich von Schnecken verschont geblieben, wenn jemand morgens Zeit zum Gießen hatte. Im Mai 2015 kamen nämlich Besucher, die über eine Schneckenplage in ihrem Garten klagten – trotz trockenem April! Gegen Schnecken haben wir eine Menge Tipps bekommen. Diese gehen von Salz auf den Beeteinfassungen (was aber für die Pflanzen nicht gut ist) über Kupferbänder (extrem teuer) und Leimfallen zu Kresse und Tagetes an den Beeträndern. Wir haben es in den schneckenintensiven Jahren mit Schafwolle probiert, die wir um die Pflanzen drapiert haben, sowie mit Pflanztöpfchen ohne Boden. Der Erfolg war aber eher mäßig. Die Kresse haben wir zuhause ausprobiert – die Schnecken haben sie als Vorspeise genossen. Und die Tagetes? Die ist gar nicht erst aufgegangen.
Ende April sieht man in den Beeten vor allem Gründüngung, Salat, Kohl, Mangold, Möhren, Zwiebeln und die ersten Radieschen kommen. Der erste Rhabarberkuchen wird gebacken.
Gegen Ende des Monats können auch die Kartoffeln gepflanzt werden. Die Saatkartoffeln keimen wir zuhause vor. Meine kühle, sonnenarme Wohnung ist wie gemacht für das Vorkeimen von Kartoffeln. Entgegen der Annahme, die Kartoffeln müssten dazu möglichst im Hellen liegen – dann werden sie grün und sonst passiert nicht viel -, bin ich Verfechter der Schrankmethode. Dafür kommen die Kartoffeln schön ausgebreitet in den Unterspülenschrank, und die Tür ist immer einen Spalt weit auf. Die Kartoffeln keimen auch, wenn die Tür zu ist, denn dann kommt immer noch Licht rein. Kartoffeln keimen nämlich dann am besten, wenn es einen kleinen Lichtstrahl gibt, zu dem sie dann sozusagen hinstreben. Das weiß ich übrigens nicht durch mein Landwirtschaftsstudium, sondern habe es in der Grundschule gelernt.
Im Frühjahr schießt auch das Unkraut – Verzeihung: das Beikraut – mächtig. Es gibt viel zu jäten. Mit einem Spaten rücken wir der großen Klette und dem Ampfer zuleibe, die sich überall ausgebreitet haben. Auch Giersch, Vogelmiere und Löwenzahn sind einzudämmen. Aber es ist tatsächlich nicht nur Unkraut: Aus den gejäteten Kräutern machen wir uns nach getaner Arbeit tolle Salate mit Giersch, Knoblauchrauke, Löwenzahn und Gundelrebe. Das schmeckt nur im Frühling, wenn die Pflanzen noch zart und neu sind. Und ist sehr gesund!

 

Zum Beobachten: Wildbienen und Wildblumen

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, hoffen wir mit Friedrich Hölderlin und lernen von Eike Wulfmeyer, was wir für das Überleben der Insekten tun können, in seinen Workshops wie „Hamburger Wildpflanzen für Hamburger Wildbienen“ (siehe Bericht). Es könnte so einfach sein: Je mehr Blumen, desto mehr Bienen. Aber ganz so einfach ist es nicht, auch wenn wir beobachten, wie alle möglichen Brummer auf unseren blühenden Borretsch und die anderen Rauhblattgewächse – das sind die mit den rauh behaarten Blättern wie Beinwell & Co. – fliegen oder die Baldrianblüten auf der Kräuterspirale ansteuern, wo sie auch die anderen Schmetterlingsblütler unter den Kräutern, wie Thymian, Rosmarin, Salbei lieben; auch der Gundermann, der sich zwischen Park und Hochbeeten ausbreiten darf, ist gefragt. Nicht jede Biene mag jede Blume. Inzwischen haben wir auf Eikes Rat auch die bei Wildbienen angesagten Nachtkerzen – deren Wurzeln übrigens lecker in der Suppe schmecken – vermehrt. Zur Saatgutgewinnung blüht im KEBAP-Garten auch das Gemüse, und die Bohnenblüten zum Beispiel dienen den wilden Insekten und auch unseren Honigbienen zur Nahrung. Sie mögen auch, dass am Rande des Hochbeetgartens Stachel-, Johannis- und Himbeeren und auch – ganz früh im Jahr – Schlehen blühen. Und im Sommer liefern die hohen Malven Futter. Unser Altonaer Stadtteilgarten bietet als immer artenreicherer Lebensraum Insekten Nahrung und Nistplätze. Aber die Gefahr wächst (siehe zum Nachdenken: Insektenschutz).

Mehr zum Thema:

Zum Nachdenken: Imkern

Zum Nachbauen: Insektennisteplätze

 

Zum Nachkochen:

Rhabarberkuchen
Rhabarber gehört wie Buchweizen und Sauerampfer zu den Knöterichgewächsen und soll wie Spargel bis zum 21. Juni geerntet und verzehrt werden. Spargel klappt im Hochbeet nicht, aber unser Rhabarber sprießt früh im Jahr gewaltig, zur besonderen Freude eines kleinen Nachbarn, der jeden Tag gucken kommt.
Irgendwann ist dann genug da für den ersten Rhabarberkuchen:
Du brauchst für eine Springform von 24 cm Durchmesser: 125 g Butter, 125 g flüssigen (Bunker-) Honig, drei Eier (von Rosie), 200 g Mehl, einen gehäuften TL Backpulver, ½ TL Zimt, 1 MSP gemahlene Nelken, die abgriebene Schale von ½ (Orgiva-) Zitrone oder geriebene getrocknete Zitronenschale, 1 kg Rhabarber.

Du verrührst die geschmolzene Butter mit dem Honig – der Bunkerhonig ist besonders delikat dank der Gemüse- und Lindenblüten – gibst Eier, Mehl, Backpulver, Gewürze und Zitronenschale zu, rührst den Teig einige Minuten und lässt ihn eine halbe Stunde ruhen; heizt den Backofen auf 190 Grad vor, gibst den Teig in eine gefettete und bemehlte Springform, bildest einen Rand und backst den Kuchenboden auf der mittleren Schiene zehn Minuten vor; schneidest den Rhabarber in 3 cm lange Stücke, verteilst sie auf dem vorgebackenen Kuchen und lässt ihn nochmal 30 Min backen.

Spanakoriso oder so
Altona-Altstadt ist ja auch in kulinarischer Hinsicht so kultiviert, weil hier so viele Kulturen so vielfältig das Leben genießen. Zum Beispiel die weltoffene griechische Community, die sich so gern zum Speisen unter freiem Himmel versammelt – schon früh im Jahr. Da gibt es dann auch Spankóriso, Reis mit Spinat.
Du brauchst (muss): 1 kg Spinat, Salz, 1 Zwiebel, ½ Tasse Olivenöl, 1 Sträußchen Dill (ev. getrockneten Dill nehmen statt Gewächshauskraut), 1 gute Prise Pfeffer, 1 EL Tomatenmark (in der Tomatenzeit lieber frische Tomaten nehmen, Variante fürs Frühjahr siehe unten), 1 Tasse Wasser, 1 Tasse Reis (geht bestimmt auch gut mit dem delikaten spanischen Risottoreis von Saboritas), Saft von 1 Zitrone.
Inspiriert von einer megaleckeren morgenländischen Mezze aus getrockneten Tomaten und Spinat, hatte ich getrocknete Tomaten aus dem Altonaer Loseladen „Stückgut“ mit kochendem Wasser übergossen und in einem Glas mit zum Bunker genommen. Dort haben wir diesen sensationellen Spinat der Sorte Winterriesen (oder war da vielleicht auch die Sorte Matador drunter?) geerntet und frisch vom Beet verarbeitet: zuerst im großen Wok auf dem Rocket Stove Frühlingszwiebeln von der SoLawi Vierlande im Olivenöl von Saboritas angedünstet, dann die eingeweichten und abgetropften Tomaten und den Spinat zugegeben – zugegebenermaßen würden wir den beim nächsten Mal ein wenig kleiner hacken, sonst isst er sich wie Spaghetti – dann den gekochten Reis hinterhergeworfen, den Saskia mitgebracht hatte (auch das ein Akt von nachhaltigem Teilen) und sind allesamt sehr frühlingsstark und frühlingsfroh geworden von diesem Essen, zumal Saskia auch noch einen Salat aus Rote-Bete-Blättern und allerlei Kraut, das gerade auf den Hochbeeten spross, zubereitet hat. Groß und bunt.

Das erste „Outdoor-Kochen auf dem Rocket-Stove“ der Saison
Spinat und bunter Mangold vom Hof vorm Deich (aus den Gewächshäusern), Kartoffeln aus dem FoodSharingSchrank beim Bunker, Knoblauch geschenkt vom Portugiesen Comercio Lagos (unbehandelter Direktimport aus Portugal), Olivenöl aus Spanien von der Finca Saboritas, Avocados und Zitronen von der neuen SoLawi Orgiva – aus einem freien Dorf bei Granada, diverse Kräuter aus dem Bunkergarten. Tipp von der Altonaer Italienerin Mary Lorusso: Den Knoblauch schälen und hacken und in Olivenöl dünsten. Spinat und Mangold in Streifen schneiden und zuerst den Mangold, dann den Spinat dazu geben. Mit Majoran, Muskat, Pfeffer, Salz und Zitronensaft würzen. Dazu gibt es Pellkartoffeln, Mary empfiehlt auch geröstetes Brot.

 

Das Projekt „Eine Klimaküche für Altona“ wurde im Rahmen des Förderprogramms „Kurze Wege für den Kliamschutz“ der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

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